Der Audi 80 / 90 als Fünfzylinder

Der Audi 80 CD 5S / 5E.  Bereits 1980 wurde im Audi Coupe GT 5S der 5 Zylinder in der Mittelklasse angeboten. Doch sowohl Tester, als auch Kunden hatten an der Motorisierung etwas auszusetzen. Man wünschte sich den 136PS Einspritzer für das Sportcoupe und den 5S Vergasermotor als komfortablen Reiseantrieb in die Audi 80 Limousine. Im April 1982 fanden die Klagen Gehör und das Coupe 5E mit 130PS kam in die Verkaufsräume. So wurde in Ingolstadt die Luxuslimousine Audi 80 CD konzipiert und rollte im Herbst 1982 zu den Kunden. Die kultivierteste Art Audi 80 zu fahren verdankte der als Schalter & Automatik lieferbare Wagen dem kurzhubig ausgelegten 115PS Motor. Von der Standard Typ 81 Limousine hob sich der CD durch die komplette serienmäßige Ausstattung ab: Frontspoiler, Metalliclackierung, 13" Alufelgen, Scheinwerferreinigungsanlage, üppiger Chrom, 4+E Getriebe, vier Rahmenkopfstützen, Vierspeichensportlenkrad, Wabenveloursinnenaustattung, Drehzahlmesser, usw.  

Audi 80 CD 5S


 

 

 

Ab Januar 1984 wurde dann der kurz vorher im Coupe vorgestellte 2,0l Einspritzer mit 115PS verbaut, der nochmal einen deutlichen Komfort und Leistungszuwachs (trotz gleicher PS-Zahl) brachte. Der Audi 80 Quattro Auf den ersten Blick sieht man wenig, was einen Audi 80 Quattro von einem Audi 80 unterscheidet: Der tiefgezogene Frontspoiler, die seitlichen Stoßprofilleiste, die aerodynamisch gestalteten Radvollblenden, die verlängerte Heckschürze und natürlich den Quattroschriftzug. Im Innenraum Sportsitze, für Fontpassagiere eine ausgeformte Rücksitzbank, Vierspeichenlenkrad mit Lederbezug und auf der Mittelkonsole ein besonderes Panel mit Betätigungsknopf und den Kontrollanzeigen für die Differenzialsperren. Unter der Motorhaube steckt ein 2,2 Liter Fünfzylinder mit 136 Pferden, die Maximalleistung wird bei 5900 U/min erreicht, daß höchste Drehmoment liegt bei 4500 U/min.  

 

Der AUDI 80 Quattro kommt auf in Leistungsgewicht von 8,75kg/PS. Gerührt wird in einem sportlich Übersetzten Fünfganggetriebe, gebremst mit vier innenbelüfteten Scheibenbremsen. Servolenkung ist ebenso Standard wie der Drehzahlmesser. Die wichtigste Unterscheidung von anderen Autos des Jahrganges 1982/83 war aber der permanente Allradantrieb. Alle vier Räder werden ständig angetrieben. Das serienmäßige Getriebe wurde dabei nur soweit geändert, daß es ein weiteres Differential und den Antrieb zu den Hinterrädern übernehmen konnte. Die Antriebswelle wurde als Hohlwelle konstruiert, deren Innenwelle vorne an das Antriebskegelrad für den Frontantrieb und hinten das Zwischendifferential trägt. Gegenüber dem Frontantrieb kommen durch diese gewichtsparende Bauweise nur ein Mehrgewicht von 75kg auf die Waage. Drei Diffentiale sind nötig um alle vier Räder anzutreiben. Eines an der Hinterachse, eines an der Vorderachse und eines zwischen der Hinter- und Vorderachse, das sogenannte Zwischendiffenzial. So wird jedem Rad das gleiche Drehmoment angeboten. Bereits 1978 begann in Ingolstadt die Entwicklung des Allradantriebes. Gerade wurde der Iltis, ein Bundeswehrjeep konstruiert, als man sich Gedanken machte, den fortschrittlichen Antrieb auch in normalen Limousinen zu verwenden.  

 

 

Der Audi 80 GLE mit 110PS war dafür die perfekte Grundlage. Die Test zogen sich hin und man überlegte, ob man zur Einführung des revolutionären Anriebskonzeptes nicht eine rassigere Form wählen sollte. Da das Audi Coupé mit 5Zylinder Form ebenso in der Entwicklung war, gab man dem Konzept des Audi Quattro mit Turbomotor den Vorrang. Aber das ist eine andere Geschichte. 1982 wurde der Audi 80 Quattro zum erstenmal der Öffentlichkeit vorgeführt. Journalisten bekamen ihn in Chur (Schweiz) zu Gesicht um erste Eindrücke zu sammeln. Audi hatte dort mehr als Zwanzig Exemplare, alle in strahlendem Metalliclack, damit mit man bei Eis und Schnee über die Pässe nach St. Moritz brausen konnte. Insgesamt waren alle mit dem Auto zufrieden, vor allem weil es bessere Fahreigenschaften als das Quattro Coupé aufwies und auch übersichtlicher. Bemängelt wurden der fehlende Turbobiß und das nicht lieferbare ABS. Beim weiteren Test in Schottland mit Rechtslenkern kamen aber nur Positive Kritiken. Scharf gefahren konnte man mit dem Auto mit ca. 11 Litern Super bleifrei auskommen. Für damalige Verhältnisse ein nicht schlechter Verbrauchswert. 

   

 

Nach dem Facelift 1984 wurde dann eine sogenannte „Billigversion“ des Audi 80 quattro eingeführt. Mit der kleinen 1,8l Maschine, der unter anderem als Basis für den 112PS Motor diente oder aber die US-Version mit 107PS G-Kat. versorgte.1986 gab es dann auch noch den 90PS Motor mit Katalysator, der auch im nachfolgenden Typ 89 seinen Dienst tat. Im September 1984 wurde dann die neue Nobelversion des Audi 80 vorgestellt. Nur mit Fünfzylindern ausgestattet gab es dort dann den 90 Quattro. Mit veränderten Motoren aus dem Audi 100 Programm, die mehr Laufkultur aufwiesen, versuchte man die edlere Version zu verkaufen. Die gleiche Leistung von 136PS lag nun schon bei 5700 U/min an, das max. Drehmoment betrug 186 Nm bei 3500 U/min. Im Laufe des Jahres 1985 kam dann die G-Kat Version des 2,2 Litermotors mit 120PS auf den Markt. Audi war mit seiner Limousine wiederum Wegbereiter für einen neuen Autotrend. Nicht nur Geländewagen und Sportcoupés, sondern auch alltagstaugliche Familienkutschen wurden nun auf vier Räder gestellt: Mercedes 4matic, Subaru 4WB, VW syncro oder BMW iX. Im September 1985 konnte man bei Audi zwischen Zwanzig quattro-Versionen aus den 45 Modellen umfassenden Inlandsmarktprogramm anbieten, darunter mehrerer Audi 80. 

 

 

 

Der Audi 90  

 

Im Herbst 1984 kam es dann zum Facelift des doch arg in der Käufergunst abgesackten Audi 80. Gleichzeitig zur Annäherung an den Audi 100 wurde die Modellpalette gesplittet. Um mehr Komfort als im Audi 80 zu bieten und gleichzeitig kompaktere Fahrzeuge unterhalb des Audi 100 im Programm zu haben, wurde der Audi 90 lanciert. Als Hauptattribut diente vornehmlich der 5 Zylindermotor, der gleichzeitig mit dem Modellwechsel in der 2,2l Version gründlich überarbeitet wurde. Entsprechend der Verbesserungen im 4-Zylinder Bereich und im kürzlich überarbeiteten und von 1,9l auf 2,0 vergrößerten 115PS Motor, wurde der 136PS Antrieb optimiert. Mit 2,26l leistete er jetzt 136PS bei 5700 U/min. Optisch deutlich vom Audi 80 zu unterscheiden und noch mehr an den Audi 100/200 Typ 44 angelehnt diente die äußere Form auch noch der verbesserten Aerodynamik. So bildete die aus Thermoplast geformte Front- und Heckstoßstange zusammen mit den geklipsten Seitenschwellern nicht nur ein bulligeres Aussehen, sondern auch noch einen günstigeren cw-Wert. Schließlich kam die Topmotorisierung auf 200km/h!  

 

So bekam der Audi 90 der ersten Generation (nicht zu verwechseln mit dem Audi Super 90 von 1967-1972) Breitbandscheinwerfer, in die Stoßstange eingepaßte Blinker und Nebelscheinwerfer. Das Heck wurde mit einer orange/roten Mittelblende a la Audi 200 gestaltet. Auf den Stoßstangen blitzte gebürstetes Nirosta und unterstrich den noblen Eindruck. Die Räder haben die vom Audi 100 bekannten Vollblenden, die Ladekante wurde, wie beim 80er, tiefer gelegt. Die Kofferraumklappe wurde anstatt durch Federn mit Öldruckdämpfern offen gehalten. Mit fast 500 Litern nach VDA-Norm übrigens einer der größten Gepäckräume seiner Klasse. Innen ging es ganz feudal her, Mittelkonsole, Türtaschen und Türdichtungen waren mit Velour bezogen. Die Sitze in Kensigtonvelours waren auf der Fahrerseite höhenverstellbar. Und die Rückbank verfügte über eine ausklappbare Armlehne und vier Rahmenkopfstützen zeugten von gediegenem Flair. Drehzahlmesser, Mittelkonsole, Lichtwarnsummer und neu gestaltete Schalter sowie ein freundlicheres Armaturenbrett trugen zur Wohnlichkeit der Fahrgastzelle bei. Für alle 2,2l-Motoren wurde bereits ab Serienbeginn das innovative Anti-Blockier-System für einen Aufpreis von fast DM 4000,-- angeboten.  

 

 

Ebenfalls nur die großen 90er hatten bereits serienmäßig eine Servolenkung an Bord. Klein, aber fein der 115PS 2,0l Audi 90 war das ausgewogenste Triebwerk im Audi 90. Der Motor, bereits seit Anfang 1984 im Audi 80 CD und im Audi Coupe im Einsatz, überzeugte durch Drehmoment, Spontaneität und Agilität, die die fehlenden 21 PS zum Topmodell nicht missen ließen. Subjektiv wirkte der „kleine“ sogar spritziger und lebendiger als der große Bruder. Eine angenehmere Laufkultur zudem distanzierte ihn doch vom 136PS Einspritzer. Die Bohrung wurde auf das VAG-Standardmaß von 81mm erhöht, mit 165 NM Drehmoment bei 3200 U/min und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden, gepaart mit einer Höchstgeschwindigkeit von 193km/h fehlte es der 1994ccm Maschine an nichts. Die fehlende Servolenkung war das einzige Manko und mußte teuer bezahlt werden, außer man wollte den doch etwas schweren Fünfzylinder per Muskelkraft einparken.  

 

Ausstattung; Extras von 10/84  

Schiebe/Ausstelldach 812,--  

Grüne Wärmeschutzverglasung 382,--  

Beifahreraußenspiegel 91,--  

Anhängevorrichtung 564,--  

Metalliclackierung 473,--  

Sportinnenaustattung 816,--  

Lederaustattung 2647,--  

Klimaanlage 2295,--  

Bordcomputer (nur 2,0l) 384,--  

Digitaltacho 907,--  

Elektrische Außenspiegel 408,-- Scheinwerferreinigungsanlage 316,--  

elektrisches Schiebedach 1607,-- Geschwindigkeitsregelanlage 597,--  

Elektrische Fensterheber 1433,--  

beheizbare Vordersitze 509,--  

Leichtmetallräder 934,--  

Leichtmetallräder mit 195/60 HR14 1279,--  

ABS 3725,--  

Servolenkung (nur 2,0l) 1169,--  

Radioanlage alpha 395,--  

Radioanlage beta 495,--  

Radioanlage gamma 795,--  

Radioanlage delta 1195,--  

Kassettenablage 44,--  

Automatic-Antenne 167,--  

 

Gepflegt durch dick und dünn...Quattro!  

 

Zeitgleich mit der Einführung des Audi 90 wurde auch der Audi 80 Quattro mit 115/136PS eingestellt. Es gab nur noch den 136 PS starken Audi 90 quattro, der direkt mit Sportinnenausstattung und Alufelgen in die Audischaufenster rollte. Mit permanenten Allradantrieb und nur in der 2,2-Liter-Version mit 5-Ganggetriebe lieferbar, war er die Krönung der 90er-Serie. Man saß in Karotweed-Sportgestühl, hinten mit ausgeformter Rücksitzbank, auf Wunsch auch in Leder. In der Mittelkonsole war der Drehschalter für die mittlere und hintere Differenzialsperre das einzige erkennbare Merkmal des vierradgetriebenen Fahrzeuges. Lederlenkrad und Lederschaltknauf sorgten innen für das Extra. Außen zeigte ein in Wagenfarbe lackierter Heckspoiler und die Doppelendrohre neben dem Quattro-Schriftzug für den nötigen Respekt. Aber auch preislich war der Audi 90 quattro die Spitze der Baureihe. Fast DM 38.000,-- durfte man auf das Ingolstädter Konto überweisen, wenn man mit vollem Luxus ins Grüne wollte. Nobel und sparsam! Turbodiesel, ein Selbstzünder im Audi 90. Nur wenigen bekannt nur selten gesehen. Zum Modelljahr 1986 sorgte der 70PS Turbodiesel mit sportiven 5-Ganggetriebe für bisher nicht gekannte Sparleistungen. Leider kein 5-Zylinder, sondern ein profaner 4-Zylinder, wie er auch im VW Golf, VW Passat oder Audi 80 zum Einsatz kam, sorgte für mittelprächtigen Vortrieb. Hier galt es einfach, Luxus mit Sparsamkeit zu verbinden, was auch exklusiv gelang. Mit DM 28.440,-- leider kein Schnäppchen, dennoch die günstigste Art Audi 90 zu fahren oder die teuerste einen 4-Zylinder Diesel im VAG-PKW-Programm zu bewegen. Fahrspaß und sauber! G-Kat mit 115PS schaffte Fahrleistungen bis 190km/h, viel Komfort und dennoch sauber! So wurde ab 1/86 der Audi 90 präsentiert. Um die Schadstoffgrenzwerte nach US-Norm zu erreichen wurde die Verdichtung auf 8,5 zu 1 reduziert, so daß die nominelle Leistung mit dem Zweilitermodell gleichzog. 115PS hatten beide, aber ein Drehmoment von 165NM bereits bei 2500 U/min im Gegensatz zum 2,0l bei 3200 U/min hatte nur der große 5 Zylinder. Mit Normal bleifrei fuhr die Kat-Version nun sauber über die Straßen. Nur ca. 10000 Stück wurden in der Front- und Quattro-Version gebaut. Die Zeit der Wachablösung für den Typ 81/85 war gekommen.   

 

 

 

Der Nachfolger des Audi 90, vom Typ 89 ließ etwas auf sich warten und kam erst im Mai 1987, neun Monate nach dem 4-Zylinder auf den Markt. 1991 wurde dann der Audi 90 still und heimlich aus dem Programm genommen und durch entsprechend motorisierte Audi 80 B4 ersetzt. Stückzahlen Audi 80 CD 5S 1,9l 31.013 Audi 80 CD 5E 2,0l 6.594 Audi 90 2,0E 20092 mit U-Kat 2.553 Audi 90 2,2E 15568 mit G-Kat 2.348 Audi 90 2,2E quattro 13.662 mit G-Kat 7.811 Audi 90 1,6 TD 4.067  

 

Oliver Block 

 

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