Vorwärts, der Audi 100 Avant 


Die Geschichte des Kombinationsfahrzeuges (genannt Kombi) bei Audi ist recht schnell erzählt. Bereits im Mai 1966, kurznach der Wiederbelebung von Audi durch Mercedes, kam der Audi Variant(Stückzahl 3355) als dreitürige Kombilimousine in der Verkaufsräume. Die 950Liter Gepäckraum ließen sich auf bis zu 1600 Liter vergrößern. Mit 80 PS Motorwurden insgesamt 6135 Audi 80 Variant gebaut. Im Dezember 1968 kam der Audi 75Variant nunmehr mit 75 PS der bis zum Produktionsende im Programm blieb und 7956-malgebaut wurde. Topmodell war der Super 90, der Von August 1969 bis Juli 19712000 mal verkauft wurde und vornehmlich n den Export (USA) ging. Diemeistgebaute Variante war der sparsame und wirtschaftliche Audi 60 Variant, deres immerhin auf 8043 gebaute Exemplare brachte. Nach Österreich wurde der Audi60 übrigens mit 65 PS geliefert. Doch das gehobene Transportvehikel fand wedereinen ausreichenden Kundenkreis, noch die Zustimmung von Konzernmutter VW.Schließlich hatten die Wolfsburger ein eigenes große Transportprogramm vom VW1500 Variant bis zum VW Bus. Konkurrenz im eigenen Haus war nicht sehr wohlgelitten. So bedeuteten die bescheidenen Absatzzahlen das Aus des bayerischen LifestyleKombis. Die Zeit war noch nicht reif. Selbst Klassiker wie der Volvo 1800 ES"Schneewittchensarg" oder der BMW 02 "touring" waren mehr Flopp als Top.

 

 

 

 Mit dem Audi 80 Typ 82 hatten die Ingolstädterendgültig einen Platz in der Mittelklasse. Doch Kombis waren noch immer nichtopportun. Lediglich die Kombiversion des VW Passat, der Variant wurde unterAudiflagge in den USA verkauft. Der dortige FOX Station Wagon, der auch ingeringer Stückzahl nach Großbritannien und den Commonwealth geliefert wurde warnur ein schönes Plagiat mit Audi Kühlergrill, Audi Lenkrad, Audi Radkappen und AudiSchriftzug.

 

Dennoch blieb Audi bei der Stange undüberlegte sich eine neue Strategie um der "Mutter" nicht ins Gehegezu kommen. Die Wahl fiel auf die Fließheckform, wie sie auch vom VW Passatpraktiziert wurde. Eine variable, voll umklappbare Rücksitzbank vergrößerte dasLadevolumen. Basis für den neuen Kombi sollte der Audi 100 Typ 43 sein. Nachanfänglichen Zögern wagte man dann 1977 den Schritt in die Verkaufsräume undbot den Avant in 85, 115 und 136 PS an. Wobei vom 2,0 Liter Vierzylinder gerademal 4138 verkauft wurden, brachte es der Fünfzylinder immer hin bis zum Sommer1982 auf 18.214 Stück. Gedanken um die niedrige Ladekante oder einzelnumklappbare Rücksitze machte man sich aber damals noch nicht. Somit wurdeLaderaum zu Ungunsten der Passagiere gewonnen. Die Bodengruppe hingegen wurdeum einen Zentimeter gekürzt, um bessere Proportionen zu gewinnen. Das hattenatürlich ein geringeres Gepäckraumvolumen zur Folge, was durch die SchrägeHeckklappe sowieso nicht sehr üppig war. Trotzdem stellte Audi eineinteressante Alternative auf den Markt. Zielgruppe waren ohnehin Freiberufler,Angelfreunde und Ski-, bzw. Golfsportler. Der Audi 100 Avant sollte nützlicherBegleiter im Alltag sein und kein Lastesel! Der Skisack in derDurchladeeinrichtung war deshalb besonders umworben. Nach Ablösung des 2,0lMotors kam der 5S als Fünfzylindervergasermotor in den Motorraum der Audi 100.Somit auch in den Avant. Hier fanden ich 11.868 Käufer, die ab August 1980 denAvant mit super tanken mußten. Schlaue Füchse versuchten den 75 Liter US-Tankzu bekommen, um die Reichweite des Avant zu vergrößern.  

 


Da sich die Marktstrategen in Ingolstadtimmerhin Gedanken über "Hochstapler" machten, bekam der Avantserienmäßig einen rechten, von innen verstellbaren Außenspiegel. DieRücksitzbank war mit einem Handgriff umklappbar und die eventuell vorhandenenKopfstützen wurden per Knöpfchen entriegelt und abgenommen. Serienmäßig waraußerdem die elektrische Antenne, vorausgesetzt das Basisradio wurde zumindestgeordert. Die feste Laderaumabdeckung wurde mit einem kräftigen Ruck ausgebautund im Fahrzeug verstaut. Links und rechts an den Seiten waren praktischeFächer für Werkzeug und den optionalen Wischwasserbehälter, falls einHeckscheibenwischer geordert wurde. Zwei Öldruckdämpfer hielten die Heckklappeauf Position, ebenso wie zwei Verriegelungszapfen den Verschluss übernahmen.ein praktischer Öffnungsgriff ermöglichte es bequem die Ladeklappe zu öffnen.

 

Die Einführung des Dieselmotors in der Typ 43Reihe hatte keine besondere Auswirkung auf den Avant verkauf. Lediglich 3834Kunden orderten den 2,0l 70 PS Diesel. Die 87 PS Turbodieselmotoren wurden wohlzum Ende der Produktionszeit handverlesen. Ebenso wie die 100 PSFünfzylindermaschine mit 1,9l Hubraum wenig Freunde, genauer 615 fand.

 

Die 85 PS Motorisierung wird von August 1977bis Juli 1980 angeboten. Insgesamt 11.019 1,6l Avant vierließen die Werkshallenin Neckarsulm.


 

Die sportliche CS Version sparte man genausowie den Audi 200 oder die Formel E Sparvariante gleich aus. Der große Erfolgblieb aus. Der Abverkauf verlief recht zäh, vor allem lag es noch an dermangelnden Bereitschaft einen "Transporter" zu fahren. Grund warsicherlich auch die optische Nähe zum profanen VW Passat. Erst der Audi 100 Typ44 brachte als Nachfolger mehr Erfolg und setzte mittlerweile den in allenVarianten zu habenden Avant durch.


Oliver Block 

 

 

 

156064