Allrad gegen Frontkrater oder Quattro gegen GTE

In der mot vom Februar 1983 gab es einen netten Vergleich. Der neue audi 80 Quattro Typ 85 gegen den Audi 80 GTE Typ 81. 112PS Frontantriebs Pferdestärken gegen 136 Allradgetriebene. Nun, 25 Jahre nach dem Debüt der beiden Kontrahenten fand ich es an der Zeit den Vergleich nochmal zu machen.  

 

Der Quattro  

Ab September 1982 kommt die familientaugliche Variante des Urquattros auf den Markt. Für 31.850 DM steht der Wolf im Schafspelz in den Verkaufsräumen der VAG Händler. Serienmäßig mit 5 Ganggetriebe ist der Audi 80 quattro permanent mit allen vier Rädern unterwegs. Per Zuknopf lassen sich druckluftangesteuert das Zwischen- und das Hinterachsdifferential sperren. Der aus dem Audi Coupe bekannte 2,1 Liter (2144 ccm) Motor wird von 130 auf 136 PS mit dreiflutigen Krümmer aufgestockt. Front- und Heckspoiler in Wagenfarbe, sowie eine Heckschürze sind neben den Breitbandscheinwerfern und in die Stoßstange integrierten Blinkern die äußeren Merkmale des Quattro. 1190 kg brauchen 9,1 Sekunden auf 100 und machen bei 193 km/h zu.    

 

 

 

 Zur Verfügung stand mir ein zobelbrauner Audi 80 Quattro, EZ 11/82 mit 182.000km, einziges Extra sind die 185/60 14er Reifen auf Ronalalufelgen. Der Audi aus 4. Hand wurde wenig geschont und zeigte einige Rostspuren. Dafür ist er unfallfrei.  

 

Der GTE

Ebenfalls ab September 1982 wird der Ruf vieler Sportler erhört, denen der Audi 80 GLE zu bieder war. Nun mit 112 PS aus 1,8 Liter (1781 ccm) befeuert, läuft er 184 km/ und erreicht 100 nach 9,2 Sekunden. Die K-Jetronic ist mit dem sportlichen 5-Gang Getriebe der Garant für schnelle Spurts und flotte Überholmanöver. Der typische Vierzylinder Frontspoiler (mit drei Luftschlitzen) wird hinten von einem mattschwarzen Heckspoiler ergänzt. Das Fahrwerk ist gegenüber der Serie (und dem GLE um 20 mm tiefer gelegt. 21 685 DM werden dafür in den 80ern aufgerufen. Ein 1. Hand GTE EZ 12/82 mit 201.000km in Seirenausstattung bietet im Vergleich Paroli. Extra sind hier ebenfalls 185/60 14er Reifen auf nicht originalen Titan Alufelgen und die beiden Bosch Nebelscheinwerfer. Unfall-und nahezu rostfrei wurde er hauptsächlich in und um die fränkische Metropole Nürnberg bewegt.    

 

 

 

Der erste Eindruck

Von außen betrachtet kommt der GTE tiefer daher und wirkt leicht kopflastig. Der Einstieg ist auch für 190er Menschen bequem und wie man es vom Typ 81 gewöhnt ist, findet man schnell seine Sitzposition. Die serienmäßigen Sitze in der C-Ausführung sind schon etwas ausgesessen und vermitteln ein metallisches Gefühl an den Pobacken. Längere Strecken können da wohl mit blauen Flecken bestraft werden. Dennoch alles paßt, nichts wackelt und der Nichtraucherwagen zeigt 100% Fahrbereitschaft. Der Quattro sieht etwas bulliger aus und zeigt schon leichte Blessuren. Die Sitze, hier die Sportsitze bieten bequemen Seitenhalt und sind nicht durchgesessen. Die üblichen Abscheuerungen der Karo Tweeds mal ausgenommen. Fahrgefühl Bruder Leichtfuß, das paßt für den alpinweißen 25 jährigen GTE perfekt. Immer spritzig am Gas ist man selbst im heutigen Verkehr ausreichend motorisiert. TDI jucken nicht, Ampelspurts bis zum zulässigen Limit entscheidet der Youngtimer immer für sich. Zwischenspurts und Überholmanöver machen mit dem knackigen 5-Ganggetriebe Spaß und erzeugen noch immer einen gewissen Suchtfaktor. Trotz fehlender ABS, ESP, ASR, blablablubb usw. sind bei vorausschauender Fahrweise alle Probleme zu meistern. Die Bremsen packen ausreichend zu, auf trockenrer Fahrbahn ebenso wie auf den Feldwegen.

 

 Der Quattro hingegen macht einen etwas behäbigeren Eindruck. Zwar grummelt der 5E böse vor sich hin, aber so recht Spaß macht es nicht den Fünfzylinder in höhere Drehzahlregionen zu bewegen. Zudem fühlt sich alles etwas zäh an. Das 5 Ganggetrieb ist etwas teigig zu schalten. Dafür stellt sich in Kurven fast Gokart Feeling ein. Er gibt sich mehr als der bullige Kraftmeier, den nichts den Weg versperren kann. Gerade auf dem Feldweg zeigt sich der Vorteil des Quattro. Weniger nervös, und fast ohne Druchdrehen der Räder kommt die Kraft auf den Boden. Komfort Die Servolenkung vermißt man nur beim Einparken. Ansonsten zirkelt der GTE agil um die Ecken. Die Federung ist optimal, langsteckentauglich und ohne Überraschungen. Das typische Frontantriebsgefühl vermittelt Sicherheit und und eine erstklassigen Reisekomfort. Leise, daß man sogar bei zügiger Autobahnfahrt mehr Wind- und Abrollgeräusche hört als den Einspritzmotor machen den GTE zu idealen Reisewagen. Ohne Servo dürfte der Quattro schwer zu händeln sein. Aber selbst mit, gibt sich die Lenkung fast ebenso schwergängig wie im GTE. Auch im Fahrbetrieb läßt sich da kein Unterschied feststellen. Laute Motorgeräusche bei flotter Autobahnfahrt machen sich ebenso unangenhem bemerkbar wie das jaulen des Differentials. Er wirkt eindeutig schwerfälliger und brummliger als der GTE.  

 

Verbrauch und gemessene Werte

(ohne Gewähr, da ich nur Pi mal Daumen maß ;-) GTE Quattro Stadtverkehr 100 km 9,8l 10,3l Landstraße 300 km 7,1l 8.7l Autobahn 400 km 8.2l 9,7l alles 98 Oktan Super Höchstgeschwindigkeit (GPS) 192 km/h 188 km/h 0-100 km/h (Casio Stoppuhr) 9,0 Sekunden 9,8 Sekunden Fazit: Selbst nach einem viertel Jahrhundert haben die beiden Audis nichts an ihrer Faszination verloren. Der Vergleich hinkt etwas, denn so richtig vergleichen lassen sie sich nicht. Der GTE ist zweifellos das agilere Auto. Er ist anspruchsloser und alle Teile sind noch irgendwie zu erhalten. auch die Unterhaltskosten sind niederiger. Der ideale Zweitwagen für den Sommer. Der Quattro ist die interssantere Technik. Trotz höherer Leistung tut er sich etwas schwerer. Teile sind rar, teuer und fast nicht zu bekommen. Eigentlich der bessere Begleiter für den Winter, denn da fühlt er sich erst richtig wohl. Wenn nur das Salz nicht währe. Somit gibt es zwei Gewinner und keinen Verlierer. Wer kann, der soll sich von April bis Oktober einen GTE zulegen und von November bis März einen Quattro, um stilecht zum Skifahren in die Alpen zu kraxeln. 

 

Oliver Block

 

159241